Die Herrenhäuser am Münzrain zählen zu den gefragtesten Wohngegenden, die Bern zu bieten hat. Hier eine bezahlbare Bleibe zu finden, gleicht fast der sprichwörtlichen Quadratur des Kreises. Unter denjenigen, denen dieses Kunststück dennoch gelingt, finden sich auch einige SP-Politiker.

Nach Angaben der Stadt, die die Eignerin von 18 Herrenhäusern ist, liegt die Miete bei fünf Objekten unterhalb des marktüblichen Niveaus. Die Bewohner zahlen bis zu 50 Prozent weniger als ihre Nachbarn. Nach Recherchen der „Berner Zeitung“ leben in einem der fraglichen Häuser mehrere SP-Politiker. Diese sind der Alt-Nationalrat Peter Vollmer mit Ehefrau Gisela Vollmer, die für die SP im Stadtrat sitzt, sowie der Alt-Regierungsstatthalter Sebastian Bentz.

Falsche Angaben gegenüber der Presse

Alle genannten Personen hatten gegenüber der Berner Zeitung bestritten, dass sie zu günstig wohnen. Einem Bericht der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) zufolge entsprechen diese Angaben nicht der Wahrheit. Auf Anfrage bestätigte die Stadt, dass Sebastian Bentz ebenso wie das Ehepaar Vollmer zu den Mietern gehört, die zu günstigeren Konditionen wohnen.

Auch im Hinblick auf die Höhe der Mietzahlungen ergaben sich bei den Recherchen der NZZ-Reporter Widersprüche. In der Berner Zeitung wurde Gisela Vollmer unlängst mit den Worten zitiert, sie und ihr Ehemann zahlten eine monatliche Miete von 3.000 Franken. Das Mietdossier weist aber aus, dass sich die Nettomiete auf exakt 2.188 Franken beläuft. Hinzu kommen Nebenkosten von 418 Franken pro Monat.

Ebenfalls unrichtig sind die Angaben bezüglich der Wohnungsgröße. Laut der städtischen Immobilienverwaltung handelt es sich bei der betreffenden Wohnung nicht um eine Vier-, sondern um eine Fünfzimmerwohnung. Die Fläche wird mit 180 Quadratmetern angegeben – Vollmer hatte in einem Interview eine Größe von „rund 150 Quadratmetern“ genannt.

Vollmers Argumentation lässt Zweifel aufkommen

Inzwischen hat Gisela Vollmer zu den Widersprüchen Stellung genommen – allerdings nicht in Form eines weiteren Interviews, sondern schriftlich. Sie sei im vergangenen Herbst falsch zitiert worden, so die SP-Politikerin. Bei den 150 Quadratmetern habe es sich um eine Schätzung gehandelt. Eine Täuschung der Öffentlichkeit liege also nicht vor.

Für Unmut bei den Bürgern sorgte auch ihre Behauptung, die städtische Liegenschaftsverwaltung habe „erst kürzlich“ eine Überprüfung vorgenommen und dann den Mietzins gesenkt. In Wirklichkeit hat die Liegenschaftsverwaltung im Jahr 2014 keine Überprüfung durchgeführt, sondern den Mietzins – so wie bei allen Mietern städtischer Objekte – gesenkt, weil zuvor der Referenzzinssatz nach unten angepasst worden war. In ihrer Stellungnahme verweist Vollmer auf eine Überprüfung, die 14 Jahre zurückliegt. Im Jahr 2001 sei der Mietzins von der zuständigen Behörde als „nicht zu niedrig“ erachtet worden.

Die SVP will Klarheit

Der dritte Mieter im Bunde, Sebastian Bentz, äußerte sich inzwischen ebenfalls zu den Anschuldigungen. Gegenüber der NZZ sagte er, es sei ihm bewusst, dass sowohl Miete als auch Nebenkosten dem Marktwert nicht mehr entsprechen würden. Gleichzeitig verwies er darauf, dass der Zustand seiner Wohnung seit 30 Jahren nahezu unverändert sei. Alexander Feutz (SVP) hat unterdessen angekündigt, im Stadtrat eine dringliche Interpellation zu diesem heiklen Dauerthema einreichen zu wollen.